Schall & Infraschall
Grundsätzlich verursachen Windenergieanlagen Geräusche in verschiedenen Frequenzbereichen. Die entsprechenden Grenzwerte müssen durch die Anlagenbetreiber stets eingehalten werden. Dies wird im Rahmen des Genehmigungsverfahrens geprüft. Gegebenenfalls wird eine oder mehrere Windenergieanlage(n) im schallreduzierten Modus betrieben, sodass es zu keinen Beeinträchtigungen für Menschen kommen kann.
In Deutschland existieren die folgenden Immissionsrichtwerte (außerhalb von Gebäuden, nach TA Lärm), die nicht nur für Windenergieanlagen, sondern auch für die Industrie, Gewerbe etc. gelten:
Tags [dB(A)] | Nachts [dB(A)] | |
Kern-, Misch-, Dorfgebiete | 60 | 45 |
Allgemeine Wohngebiete | 55 | 40 |
Reine Wohnegebiete | 50 | 35 |
Schall
Die Windenergieanlagen sind heutzutage mit diversen technischen Komponenten, wie z.B. Sägezähnen an der Blattrückseite (sog. Serrations) der Rotorblättern ausgestattet. Diese reduzieren die Schallemissionen deutlich. Unter Volllast entstehen heutzutage an der Nabe (also in ca. 179 Metern Höhe) bis zu 107 Dezibel (dB), das entspricht der Lautstärke eines Baggers. In 1.000 Meter Entfernung sind bei voller Leistung ca. 40 dB zu hören, was der Lautstärke eines leichten Regens entspricht. Damit ist der Geräuschpegel in mehreren hundert Metern Entfernung in der Regel nicht mehr von den natürlichen Hintergrundgeräuschen wie z. B. Blätterrauschen zu unterscheiden.
Im Windpark Prälax sind nach ersten internen Vorprognosen schallbedingte Leistungsreduzierungen wahrscheinlich. In den kommenden Monaten werden wir von einem unabhängigen Gutachter eine Schallprognose erstellen lassen. Dabei wird u.a. die Vorbelastung durch die 5 Windenergieanlagen des Windparks Kraiberg berücksichtigt. Aufgrund dieser Erkenntnisse kann dann gegebenenfalls festgelegt werden, dass die Windenergieanlagen in einem schallreduzierten Modus laufen. Dieser wird in der Windenergieanlage fest einprogrammiert, sodass er automatisch aktiviert wird.
Infraschall
Infraschall ist tieffrequenter Schall im nicht hörbaren Frequenzbereich von unter 16 Hertz (Hz) und ständiger Begleiter unserer technischen und natürlichen Umgebung. Je tiefer die Frequenz desto höher muss der Schalleistungspegel (dB) sein, um das Geräusch wahrzunehmen. Erst bei einer sehr hohen Infraschallbelastung kann diese gesundheitsgefährdend sein.
Infraschall entsteht bei Windenergieanlagen durch Vibrationen in den Rotoren und im Turm. Eine Windenergieanlage erzeugt in 150 m Entfernung bei 16 Hz ca. 70 dB, damit liegt der Infraschall unter der Wahrnehmungsschwelle. Eine unbewusste Wahrnehmung von schwachem Infraschall ist höchst unwahrscheinlich und schon bei einem Abstand von 1 km zur Windenergieanlage ist kein Unterschied zum Umgebungsinfraschallpegel mehr zu erkennen (vgl. FA Wind (2022): Kompaktwissen Infraschall und Windenergie).
Eine gewaltige Diskrepanz bestand bis vor einiger Zeit zwischen gemessenen Schalldruckpegeln verschiedener Institutionen und den Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Wie sich nach wissenschaftlicher Überprüfung der Ergebnisse des BGR herausstellte, beruhten diese auf einem Rechenfehler, der dazu führte, dass die Infraschallbelastung durch Windenergieanlagen um das 4.000-fache überschätzt wurde. Die BGR zog ihre Ergebnisse daraufhin im April 2021 zurück. Die falschen Berechnungen aus der BGR-Studie dienten lange als Argumentationsgrundlage für Gegner der Windenergie und haben so entscheidend dazu beigetragen, Unsicherheit in der Bevölkerung in Bezug auf Infraschall zu erzeugen. (vgl. FA Wind (2022): Kompaktwissen Infraschall und Windenergie)
Lilian Kruse
Projektleiterin
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